Was ist Focus Stacking – und warum ich es verwende
Was ist Focus Stacking – und warum ich es verwende
“Wie bekommst du deine Makrofotos von vorne bis hinten so gestochen scharf?”
Diese Frage höre ich oft. Die Antwort ist einfach: Focus Stacking. In diesem Blog erkläre ich dir, was Stacking ist, warum ich es einsetze und wie ich es in meinen Workflow integriere. Außerdem gebe ich dir Tipps und Fotovorschläge, mit denen du selbst loslegen kannst.
Was ist Stacking eigentlich?
Focus Stacking – oder kurz: Stacking – ist eine Technik, bei der du mehrere Fotos mit leicht verschobenem Fokuspunkt aufnimmst. Diese Bilder werden später zu einem einzigen Bild kombiniert, das durchgehend scharf ist – vom Vordergrund bis zum Hintergrund.
Deine Kamera kann bei sehr kurzen Distanzen, wie in der Makrofotografie, schlichtweg nicht alles gleichzeitig scharf stellen. Durch Stacking umgehst du dieses Problem.
Links geen stack, rechts wel
Wann verwende ich Stacking?
Ich nutze Stacking hauptsächlich in der Makro- und Naturfotografie, wenn ich möchte, dass jedes Detail – vom vordersten Blütenblatt bis zur hintersten Fühlerkante – scharf ist. Zum Beispiel bei:
Blumen in Nahaufnahme
Insekten oder Schmetterlingen
Strukturen wie Moos oder Pilzen
Aber auch bei stillen Motiven im Studio – wie Produktaufnahmen oder sogar Detailporträts von Augen – ist Stacking äußerst nützlich.
💡 Tipp: Achte darauf, dass sich dein Motiv nicht bewegt. Wind ist der Feind eines sauberen Stacks.
Wie erstellt man ein sauberes Stack?
Ich arbeite am liebsten mit meiner Canon EOS R5 in Kombination mit dem RF 100mm oder RF 35mm Makroobjektiv. Ich fokussiere manuell oder nutze die Fokus-Bracketing-Funktion der Kamera (falls vorhanden). Manuell ist mir lieber, da ich so selbst bestimmen kann, wie groß die Schärfeverschiebung ist.
1. Stativ oder feste Unterlage verwenden
Ein stabiles Stativ oder eine feste Unterlage ist unerlässlich. Selbst kleinste Erschütterungen können den Stack ruinieren.
2. Manuell fokussieren
Ich verschiebe den Fokuspunkt in kleinen Schritten, beginnend beim nächsten Punkt. Das funktioniert manuell oder mit einem Makroschlitten.
3. Mehrere Aufnahmen machen
Je nach Motiv mache ich zwischen 5 und 30 Aufnahmen. Je geringer die Schärfentiefe, desto mehr Zwischenstufen sind nötig.
4. Immer im M-Modus fotografieren
Wenn du im manuellen Modus (M) arbeitest, bleiben Belichtungszeit, Blende und ISO bei jeder Aufnahme gleich – ein Muss für gute Ergebnisse:
In Modi wie Av oder Tv kann sich die Belichtung ändern, was zu Farbabweichungen oder Flackern beim Zusammenfügen führt.
Gleichbleibende Einstellungen sorgen für nahtlose Übergänge zwischen den Fokusbereichen.
Du hast die volle Kontrolle über Licht und Tiefe – ideal bei präziser Arbeit wie Makrostacks.
Ich verwende Adobe Bridge, um meine Fotos an Photoshop zu übergeben. Navigiere im Bridge-Fenster zum Ordner, wähle alle Aufnahmen deiner Serie und gehe dann zu: Werkzeuge → Photoshop → Dateien in Photoshop-Ebenen laden...
Foto's laden in Adobe Bridge
Die Bilder erscheinen als Ebenen in Photoshop. Wähle alle Ebenen aus und gehe zu: Bearbeiten → Ebenen automatisch ausrichten... und wähle „Automatisch“. Bei großen Serien dauert es einen Moment.
Lagen uitlijnen
Danach müssen die Ebenen miteinander verschmolzen werden: Bearbeiten → Ebenen automatisch überblenden... und dann „Bilder stapeln“ wählen. Aktiviere zusätzlich Nahtlose Töne und Farben sowie Inhaltssensitives Füllen bei transparenten Bereichen.
Lagen in elkaar overvloeien
Das Ergebnis: ein Bild, bei dem dein Motiv von vorne bis hinten gestochen scharf ist!
Typische Stolperfallen beim Stacking
Bewegung – Wenn sich das Motiv bewegt (z. B. durch Wind), entstehen Geisterbilder oder Unschärfen.
Zu große Schritte – Wenn du Fokusschritte auslässt, bleiben unscharfe Zonen zwischen den Ebenen.
Bildrauschen – Mehr Bilder bedeuten unter Umständen auch mehr Rauschen. Mit Lightroom oder Topaz DeNoise kannst du das leicht entfernen.
💡 Tipp: Achte bei Insekten auf kleinste Bewegungen – ein Flügelschlag reicht. Einfach abwarten oder neu starten.
Focus Bracketing bei Canon Kameras (z. B. EOS R5):
1. In den M-Modus wechseln
Stelle Blende, Belichtungszeit und ISO manuell ein. Verwende ein stabiles Stativ.
Stacking braucht ein wenig mehr Zeit – aber der Aufwand lohnt sich. Du erhältst gestochen scharfe, detailreiche Bilder, die mit nur einem Foto unmöglich wären.
Egal ob du eine Blume, einen Pilz oder ein Insekt fotografierst – Stacking verleiht deinen Bildern einen professionellen Look mit beeindruckender technischer Schärfe.
Mein Tipp: Probiere es einfach mal aus! Starte mit einem stillen Motiv im Innenraum und experimentiere mit Anzahl und Schärfepunkten. Du wirst überrascht sein, was möglich ist.
Hast du Fragen zum Stacking, zu meinem Workflow oder zur Nachbearbeitung? Schreib mir gerne – ich helfe dir weiter!
Kommentare
0 Kommentare
Teile, was dir aufgefallen ist, was du gelernt hast oder was du selbst ausprobieren würdest.
Lass dich von meinen neuesten Blogbeiträgen über Fotografie, Makro, Natur, Techniken und mehr inspirieren. Entdecke die Geschichten hinter den Bildern, praktische Tipps zur Verbesserung deiner eigenen Fotos und persönliche Erfahrungen aus dem Feld.
11Mai
Blog
Effizient arbeiten in Lightroom Classic
17 min lesezeit
Ein gutes Foto entsteht nicht nur hinter der Kamera, sondern auch durch einen durchdachten Workflow. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie ich meine Fotos in Lightroom Classic importiere, auswähle, bearbeite und exportiere. Mit praktischen Tipps, hilfreichen Einstellungen und einer effizienten Arbeitsweise sparst du Zeit und holst das Beste aus jedem Fotoshooting heraus.
05,0
17Jan
Blog
Porträt- / Studiofotografie
7 min lesezeit
Wie gelingt ein professionelles Porträt mit nur einer Lichtquelle? Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie ich dieses Studio-Shooting umsetze
25,0
24Okt
Blog
Farbe und Licht: Spielen mit Atmosphäre
6 min lesezeit
Lass Licht und Farbe deine Geschichte erzählen. Entdecke, wie du in jedem Foto Stimmung erschaffst – vom Walddlicht bis zu sanften Herbstfarben.
04,8
05Okt
Blog
Meistere Schärfe und Fokus
4 min lesezeit
Schärfe beginnt mit Kontrolle. Erfahre, wie du den Fokus wirklich beherrschst und Bilder aufnimmst, die bis ins kleinste Detail gestochen scharf sind.
05,0
01Sep
Blog
Die Kraft des M-Modus
5 min lesezeit
Der M-Modus wirkt vielleicht einschüchternd, doch er gibt dir volle Kontrolle. In diesem Blog erfährst du wie – plus Tipps für bessere Fotos sofort.
Kommentare
0 Kommentare
Teile, was dir aufgefallen ist, was du gelernt hast oder was du selbst ausprobieren würdest.
Hinterlasse den ersten Kommentar! 👍