Porträt- / Studiofotografie
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Wie gelingt ein professionelles Porträt mit nur einer Lichtquelle? Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie ich dieses Studio-Shooting umsetze

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Porträt- / Studiofotografie – so baue ich mein Shooting auf (und wie du das auch kannst)

„Wie schaffst du diese ruhigen, professionellen Porträts mit so einem schönen Hintergrund?“

Studiofotografie klingt für viele Menschen sofort nach: kompliziert, viel Ausrüstung, viele Einstellungen und vor allem … jede Menge Aufwand. Aber ehrlich? So groß muss es wirklich nicht sein. Dieses Shooting war gerade deshalb so schön, weil es ganz „klein“ angefangen hat: ein schwarzer Hintergrund, ein Blitz mit Softbox und ein Reflektor – einfach im Wohnzimmer aufgebaut.

Dies war ein persönliches Shooting, was es besonders macht. Dabei geht es nicht nur um ein schönes Porträt, sondern auch um eine entspannte Umgebung, in der alles stimmig ist. In diesem Blog nehme ich dich mit, als würdest du direkt neben mir im "Studio" stehen – von meinem Aufbau über meine Entscheidungen bis zu den letzten Checks vor dem Auslösen.

Daniek

Die Basis meines Setups (simpel, aber extrem effektiv)

Diese Ausrüstung habe ich bei diesem Shooting verwendet:

  • Canon EOS R5 + RF 70-200mm f/2.8L
  • Godox Speedlite TT685 II + Godox X Pro-C II Transmitter
  • Godox 60x60 Softbox
  • Godox 5-in-1 Reflektor (110cm)
  • Westcott 570X X-Drop Backdrop Stand (5’ x 12’)
  • Peak Design Travel Tripod
  • MacBook Pro 16" (tethered) + USB-C 4.0 Kabel (3m)
  • Lightroom Classic (für Tethered Shooting und Beurteilung)

Was ich daran besonders mag: Das ist kein riesiges Studio-Setup mit drei Lampen und komplizierten Lichtdiagrammen. Es ist eine Lichtquelle, richtig platziert. Und genau damit kann man unglaublich viel lernen.


Schritt 1: Der Hintergrund – wie wird er wirklich schwarz (auch wenn der Raum es nicht ist)?

Ein schwarzer Hintergrund klingt simpel: Stoff aufhängen, fertig. Doch das „wirklich Schwarz“ entsteht vor allem durch Abstand und Lichtführung.

Meine wichtigsten Regeln:

  • Platziere dein Modell getrennt vom Hintergrund (idealerweise 1,5 bis 2,5 Meter).
  • Sorge dafür, dass das Blitzlicht auf dein Modell fällt – nicht auf den Hintergrund.
  • Arbeite mit niedriger ISO, damit Umgebungslicht kaum Einfluss hat.

Warum dieser Abstand so wichtig ist? Weil Licht mit zunehmender Entfernung schnell an Intensität verliert. Wenn dein Modell richtig ausgeleuchtet ist, fällt der Hintergrund ganz automatisch schön dunkel weg. Und das wirkt sofort viel professioneller.

💡 Tipp: Siehst du noch Grau im Hintergrund? Stelle dein Modell etwas weiter nach vorne oder drehe die Softbox minimal vom Hintergrund weg. Kleine Änderungen – großer Effekt.

Schritt 2: Ein Blitz, eine Softbox – aber wo platzierst du sie?

Hier beginnt Studiofotografie wirklich Spaß zu machen. Die Stimmung deines Porträts entsteht zu etwa 80 % durch die Lichtposition – nicht durch teure Ausrüstung.

Meine Standard-Lichtsetzung (damit starte ich fast immer):

  • Softbox ca. 45 Grad seitlich vom Modell
  • Etwas über Augenhöhe, leicht nach unten geneigt
  • Relativ nah am Gesicht (etwa 60–100 cm)

Warum so nah? Weil das Licht dadurch weicher wird und ein schöner Übergang zwischen Licht und Schatten entsteht. Genau das sorgt für diesen ruhigen, filmischen Look.

💡 Tipp: Achte auf das „Catchlight“ (das kleine Licht im Auge). Es ist oft der schnellste Check. Sitzt es schön und natürlich, steht die Softbox meist richtig.

Schritt 3: Der Reflektor – deine geheime Waffe (gerade bei Porträts)

Ich bin ein großer Fan von Reflektoren. Nicht, weil man sie immer braucht, sondern weil sie so schnell und intuitiv funktionieren. Sie mildern Schatten, bringen Leben in die Augen und machen Gesichter freundlicher – ganz ohne zweite Lichtquelle.

So nutze ich ihn am häufigsten:

  • Weiße Seite: weich, natürlich, sicher (mein Favorit)
  • Silberne Seite: mehr Kontrast und Glanz (kann schnell zu hart wirken)
  • Goldene Seite: warme Töne (sehr schön, aber sparsam einsetzen)

Meist platziere ich den Reflektor auf der Schattenseite, knapp außerhalb des Bildes. Manchmal hält ihn das Modell sogar selbst – gerade bei Kindern wirkt das weniger „studiohaft“ und bleibt locker.

💡 Tipp: Ist der Reflektor zu nah am Gesicht, wirkt das Bild schnell flach. Lieber etwas Abstand lassen und das Licht nur sanft unterstützen.

Schritt 4: Meine Kameraeinstellungen (und warum ich fast immer dort lande)

Bei Blitzfotografie geht es vor allem um Kontrolle. Deshalb arbeite ich fast immer im M-Modus.

Ein bewährter Startpunkt:

  • ISO: 100–400
  • Verschlusszeit: 1/160s bis 1/200s (sicher unter der Blitzsynchronzeit)
  • Blende: f/2.8 bis f/4 für Porträts, f/5.6 für mehr Schärfe

Danach passe ich die Blitzleistung an, bis die Belichtung stimmig ist. Ich starte oft bei 1/32 oder 1/16 Leistung und justiere je nach Abstand und gewünschter Stimmung.

💡 Tipp: Möchtest du ein dunkleres, „moody“ Porträt? Reduziere nicht sofort die Blitzleistung. Probiere zuerst, die Softbox etwas weiter weg zu stellen oder minimal zu drehen. Lichtform erzeugt Stimmung.

Schritt 5: Der Unterschied zwischen „schönem“ Licht und „Wow“-Licht (kleine Verschiebungen!)

Jetzt wird es richtig spannend. Wenn die Basis steht, beginne ich zu spielen. Und das muss nichts Großes sein – manchmal sind es nur zehn Zentimeter.

Drei einfache Varianten zum Ausprobieren:

1) Rembrandt-Licht (der Klassiker)

Das Licht etwas weiter zur Seite schieben, sodass auf der Schattenseite ein kleines Lichtdreieck unter dem Auge entsteht. Sofort mehr Tiefe und Charakter.

2) Split Light (markant und dramatisch)

Das Licht fast komplett von der Seite setzen. Eine Gesichtshälfte im Licht, die andere im Schatten – perfekt für kraftvolle Porträts.

3) Back-/Seitenlicht (Rim Light)

Das Licht leicht nach hinten versetzen, sodass es am Haar entlang streicht. Das sorgt für eine schöne Kontur und Trennung vom Hintergrund.

Daniek
💡 Tipp: Beim Gegen- oder Randlicht darauf achten, dass Nase oder Wangen nicht „ausbrennen“. In dem Fall die Softbox ein paar Grad zurück zur Kamera drehen.

Posing (ohne dass es gestellt wirkt)

Gerade bei einem persönlichen Shooting ist das extrem wichtig. Ich möchte keine „Posen-Schule“. Ich möchte echte Blicke, echte Momente – etwas, das sich richtig anfühlt.

Was bei uns gut funktioniert (und fast immer entspannt aussieht):

  • Gib dem Modell etwas zu tun: Hände in die Ärmel, Haare zurückstreichen, Kinn leicht nach vorne
  • Mini-Anweisungen: „Schau kurz an mir vorbei“, „denk an etwas Lustiges“
  • Weiter reden: Stille macht oft unsicher (besonders bei Kindern)
  • Bewegung zulassen: kleine Schritte, Schulter drehen, Kopf mitnehmen
💡 Tipp: Das beste Lächeln kommt oft direkt nach dem Foto. Deshalb in kurzen Serien fotografieren. Der perfekte Moment ist oft plötzlich da.

Objektivwahl in der Praxis: warum 70–200mm so gut funktioniert

Ich liebe das 70–200mm im Studio, weil man damit unglaublich flexibel ist:

  • 70–100mm: etwas mehr Umgebung, spielerischer
  • 135–200mm: ruhig, schmeichelnd, schöne Kompression

Außerdem bleibt man etwas weiter vom Modell entfernt. Das schafft Ruhe und wirkt weniger aufdringlich – besonders angenehm für Menschen, die nicht oft vor der Kamera stehen.

💡 Tipp: Für Porträts nicht zu weitwinklig fotografieren. Weitwinkel kann verzerren (größere Nase, runderes Gesicht). Ab 85mm wirkt ein Porträt meist deutlich harmonischer.

Tethered Shooting: warum ich es liebe (und warum du es mindestens einmal ausprobieren solltest)

Dieses Shooting habe ich tethered fotografiert – die Kamera direkt mit dem MacBook verbunden. Und ehrlich: Wenn man sich daran gewöhnt hat, möchte man kaum noch darauf verzichten.

Die größten Vorteile:

  • Du siehst sofort, ob die Schärfe wirklich perfekt sitzt
  • Kleine Details wie Haare oder Falten fallen direkt auf
  • Das Modell kann kurz mitsehen – das schafft Vertrauen („Wow, das sieht toll aus!“)
  • Man arbeitet ruhiger und sicherer
💡 Tipp: Stelle den Laptop so hin, dass du schnell einen Blick darauf werfen kannst, ohne den Flow zu unterbrechen. Ich schaue meist nach 3–5 Fotos kurz drauf und mache dann weiter.

Ideen zum Ausprobieren (wenn das Setup sowieso steht)

Wenn alles eingerichtet ist, beginnt der Spaß: kleine Experimente, die dem Bild sofort eine andere Stimmung geben.

  • Schatten „schneiden“: etwas zwischen Licht und Modell halten (z. B. Karton), um gezielte Schatten zu erzeugen
  • Reflektor tief unter dem Gesicht: sorgt für ein sanftes Beauty-Fill, besonders schön für die Augen
  • Schwarz-Weiß-Serie: gutes Licht wirkt in Schwarz-Weiß oft noch stärker
Daniek
💡 Tipp: Sag einmal: „Schau auf deine Schulter und lächle ganz leicht.“ Das ergibt oft einen ehrlichen, ungestellten Ausdruck.

Häufige Probleme (und schnelle Lösungen)

  • Hintergrund ist grau statt schwarz → Modell weiter nach vorne, Softbox drehen, ISO senken
  • Schatten zu hart → Softbox näher heran oder weißen Reflektor einsetzen
  • Augen wirken leblos → Softbox-Höhe anpassen oder Reflektor leicht näher
  • Haut glänzt → Licht stärker von der Seite, ggf. leicht mattieren
  • Unschärfe → Eye-AF nutzen, Verschlusszeit nicht zu niedrig, auf großem Bildschirm prüfen
Daniek

Zum Schluss: Studio ist keine Perfektion – es ist Spielen mit Licht

Was ich an Studio- und Porträtfotografie so liebe, ist der Prozess. Man baut etwas auf, setzt Licht, sieht den Effekt, korrigiert – und plötzlich gibt es diesen Moment, in dem alles stimmt. Nicht, weil es technisch perfekt ist, sondern weil es sich richtig anfühlt.

Gerade bei einem persönlichen Shooting zählt das vielleicht am meisten: dass nicht nur schöne Fotos entstehen, sondern auch eine schöne Erinnerung. Zusammen lachen, ein bisschen albern sein, zwischendurch auf den Bildschirm schauen – und dann weitermachen.

Wenn du nur eine Sache aus diesem Blog mitnimmst, dann diese: fang einfach an. Ein Licht, ein Reflektor, ein ruhiger Hintergrund. Und dann spielen. So lernst du am schnellsten, was Licht wirklich macht – und entwickelst ganz automatisch deinen eigenen Stil.

Daniek

Hast du Fragen zu Blitzeinstellungen, Lichtplatzierung oder wie du das alles zu Hause in einem kleinen Raum umsetzen kannst? Lass es mich wissen – ich denke gern mit dir mit!

Kommentare

2 Kommentare

Teile, was dir aufgefallen ist, was du gelernt hast oder was du selbst ausprobieren würdest.

  • Shannon Hendriks

    Waardevolle informatie, erg motiverend om zelf er ook mee te beginnen. Heel overzichtelijk!

    Mark Mooibroek

    Wat leuk om te lezen Shannon, dankjewel! 😀