Ein gutes Foto entsteht nicht nur hinter der Kamera, sondern auch durch einen durchdachten Workflow. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie ich meine Fotos in Lightroom Classic importiere, auswähle, bearbeite und exportiere. Mit praktischen Tipps, hilfreichen Einstellungen und einer effizienten Arbeitsweise sparst du Zeit und holst das Beste aus jedem Fotoshooting heraus.
Lightroom Classic – vom Importieren bis zum Exportieren: so baue ich meinen Workflow auf
Lightroom Classic ist für mich seit Jahren die Grundlage meiner Bildbearbeitung. Egal ob ich von einem Porträtshooting, einer Veranstaltung oder einem Naturspaziergang nach Hause komme: Fast alles beginnt in Lightroom Classic. Und ehrlich? Das gibt Ruhe.
Als ich mit der Fotografie angefangen habe, fand ich Lightroom Classic ziemlich unübersichtlich. Überall Regler, Optionen, Einstellungen und Menüs. Ich hatte das Gefühl, alles gleichzeitig verstehen und benutzen zu müssen. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass Lightroom Classic gerade dann sehr angenehm funktioniert, wenn man sich einen festen Workflow aufbaut.
Und genau darum geht es in diesem Blog.
Nicht um extreme Bearbeitungen oder komplizierte Techniken, sondern um einen praktischen Workflow, den du immer wieder verwenden kannst. Vom Importieren deiner Fotos bis zum sauberen Export für Social Media, Website oder Druck.
Denn egal wie gut dein Foto ist: Wenn dein Workflow chaotisch ist, verlierst du irgendwann den Überblick. Eine gute Struktur spart Zeit, verhindert Ärger und sorgt dafür, dass Fotografie weiterhin Spaß macht.
In diesem Blog nehme ich dich Schritt für Schritt mit durch meine eigene Arbeitsweise in Lightroom Classic. Ohne unnötig technisches Durcheinander.
Lightroom vs Lightroom Classic – was ist eigentlich der Unterschied?
Adobe macht es manchmal etwas verwirrend, denn es gibt im Grunde zwei Versionen von Lightroom: Lightroom und Lightroom Classic.
In diesem Blog geht es komplett um Lightroom Classic. Das ist die umfangreiche Desktopversion, die viele Fotografen für einen vollständigen Workflow nutzen: Importieren, Auswählen, Bearbeiten und Exportieren großer Fotomengen.
Die normale Version von Lightroom arbeitet stärker cloudbasiert und ist einfacher aufgebaut für die Nutzung auf mehreren Geräten wie Laptop, Tablet und Smartphone. Für viele Hobbyanwender funktioniert das sehr gut, aber persönlich finde ich Lightroom Classic deutlich leistungsstärker und übersichtlicher, wenn man ernsthaft mit Fotografie arbeitet.
Vor allem Funktionen wie umfangreiche Ordnerstrukturen, Import-Workflows, Export-Presets und Katalogverwaltung machen Lightroom Classic für mich zur angenehmsten Wahl.
In RAW fotografieren
Bevor du wirklich angenehm mit Lightroom Classic arbeiten kannst, gibt es eigentlich eine Sache, die ich jedem Fotografen empfehlen würde: Fotografiere in RAW.
RAW-Dateien enthalten deutlich mehr Informationen als eine normale JPG-Datei. Dadurch hast du bei der Bearbeitung viel mehr Spielraum, um zum Beispiel Schatten zurückzuholen, Lichter zu korrigieren, Farben anzupassen und den Weißabgleich zu verbessern, ohne dass die Qualität schnell schlechter wird.
Genau deshalb funktioniert Lightroom Classic am besten in Kombination mit RAW-Fotos. Natürlich kannst du auch JPG-Dateien bearbeiten, aber die Möglichkeiten sind deutlich eingeschränkter. Besonders wenn ein Foto etwas zu dunkel, zu hell oder farblich nicht ganz richtig ist, merkst du den Unterschied schnell.
Wenn du ernsthaft mit Lightroom arbeitest, würde ich persönlich fast immer RAW wählen.
Ich habe bereits einen ausführlichen Blog über den Unterschied zwischen RAW und JPG geschrieben, in dem ich alles ruhig und mit Beispielen erkläre:
Ein guter Workflow beginnt für mich immer mit dem sauberen Importieren meiner Fotos. Das klingt vielleicht nicht spannend, aber glaub mir: Genau hier sparst du später enorm viel Zeit.
Ich sehe immer noch oft, dass Leute Fotos einfach auf den Desktop legen oder alles in einem großen Ordner speichern. Das funktioniert vielleicht kurz, aber sobald du tausende Fotos hast, verlierst du komplett den Überblick.
Speicherkarte einlegen
Ich beginne immer damit, meine Speicherkarte in den Computer oder Kartenleser zu stecken. Lightroom Classic öffnet sich bei mir meistens automatisch, ansonsten starte ich das Programm manuell.
Zur Bibliothek gehen
Oben in Lightroom Classic gehe ich in das Modul Bibliothek. Hier passiert alles rund um Organisieren und Auswählen.
Unten links klicke ich dann auf Importieren.
Quelle auswählen
Links wähle ich anschließend die Quelle der Fotos aus. In den meisten Fällen ist das meine Speicherkarte.
Ziel auswählen
Rechts gebe ich an, wo die Fotos gespeichert werden sollen. Persönlich arbeite ich fast immer mit einer festen Ordnerstruktur.
2026-08-12
2026-08-14
2026-08-15
Das klingt simpel, aber später bist du dir dafür dankbar. Du kannst einfach nach Datum oder Ereignis suchen.
Dateinamen anpassen
Manchmal benenne ich Dateien direkt beim Importieren um. Besonders bei großen Shootings oder Aufträgen ist das praktisch.
💡 Tipp: Verwende klare Dateinamen mit Datum oder Shootingnamen, damit du später schneller suchen kannst.
Smart-Vorschauen
Lightroom Classic bietet die Möglichkeit, Smart-Vorschauen zu erstellen. Das ist praktisch, wenn du unterwegs auf einem Laptop bearbeiten möchtest, ohne dass die Originaldateien angeschlossen sind, zum Beispiel auf einer externen Festplatte.
Wenn du hauptsächlich lokal zu Hause auf einem System arbeitest, musst du diese Option nicht immer aktivieren.
Metadaten und Copyright
Ich trage fast immer meinen Namen und Copyrightinformationen beim Import ein. Das dauert buchstäblich nur ein paar Sekunden und sorgt dafür, dass deine Angaben sauber in den Fotos stehen.
Stichwörter hinzufügen
Stichwörter wirken am Anfang vielleicht übertrieben, werden aber unglaublich praktisch, sobald du viele Fotos hast.
Porträt
Event
Frühling
Blumen
Emmen
Sonnenuntergang
Dadurch findest du Fotos später viel schneller wieder.
Ein Basis-Preset beim Import anwenden
Das ist vielleicht einer meiner liebsten Teile in Lightroom Classic.
Ein „Import-Preset“ oder eine Entwicklungseinstellung sorgt dafür, dass jedes importierte Foto direkt eine ruhige Grundbearbeitung bekommt. Das spart enorm viel Zeit.
Wichtig zu wissen: Das ist keine fertige Bearbeitung. Es ist nur ein sicherer Startpunkt.
Ich verwende so ein Preset zum Beispiel für:
Objektivkorrekturen
Klarheit
Eine kleine Menge Kontrast
Leichtes Schärfen
Subtile Rauschreduzierung
Einen neutralen Grundlook
So erstelle ich ein Basis-Preset
Ich öffne zuerst ein bereits importiertes Foto im Modul Entwickeln.
Dort stelle ich einige sichere Grundeinstellungen ein:
Profil: Adobe Color oder ein Camera-Matching-Profil
Objektivkorrekturen aktivieren
Eine kleine Menge Kontrast
Leichtes Schärfen
Subtile Rauschreduzierung
Danach gehe ich links im Menü zu Vorgaben.
Ich klicke auf das Pluszeichen und wähle Vorgabe erstellen.
Dann gebe ich dem Preset einen klaren Namen, zum Beispiel:
Basisimport – natürlich
Basisimport – Porträt
Basisimport – Außenlicht
Danach hake ich nur die Einstellungen an, die für alle Fotos sicher sind.
Lade unten kostenlos mein Basis-Import-Preset für Lightroom Classic herunter. Du kannst es einfach importieren, indem du bei „Vorgaben“ auf „+“ klickst → Vorgabe importieren
💡 Tipp: Mach ein Import-Preset nie zu aggressiv. Keine starken Farbänderungen, extreme Kontraste oder festen Weißabgleich verwenden.
Preset beim Import anwenden
Wenn ich danach neue Fotos importiere, gehe ich rechts zu:
Beim Import anwenden → Entwicklungseinstellungen → Wähle das erstellte Preset oder, wenn du mein Preset importiert hast: BASIS IMPORT MARK
Danach kontrolliere ich kurz Metadaten und Stichwörter und klicke auf Importieren.
Und ehrlich? Allein dieser kleine Teil des Workflows spart mir unglaublich viel Zeit.
Auswählen und aufräumen
Nach dem Import gehe ich zuerst ruhig durch meine Fotos.
Nicht sofort bearbeiten. Erst auswählen.
Unscharfe Fotos, doppelte Bilder oder misslungene Momente entferne ich.
Das klingt vielleicht hart, aber am Ende arbeitet es sich viel angenehmer mit einer starken Auswahl als mit hunderten fast gleichen Fotos.
💡 Tipp: Wenn du ein Foto löschst, bekommst du zwei Optionen: „Aus Lightroom entfernen“ oder „Von Festplatte löschen“. Meistens nutze ich die letzte Option, weil dann auch die Originaldatei von der Festplatte gelöscht wird.
Markierungen verwenden
P = Ausgewählt
X = Abgelehnt
U = Markierung entfernen
Das nutze ich ständig beim Auswählen. Mit Markierungen gebe ich an, welche Fotos ich verwenden möchte. Danach kannst du einfach nach Fotos mit einer Markierung filtern.
Zusätzlich arbeite ich manchmal mit Sternen:
1 Stern = möglicherweise brauchbar
3 Sterne = gutes Foto
5 Sterne = Favorit oder Portfolio
Farblabel nutze ich vor allem bei größeren Aufträgen.
Bearbeiten in Lightroom Classic
Jetzt beginnt der kreative Teil.
Und trotzdem versuche ich auch hier ruhig zu arbeiten.
Ich sehe viele Anfänger, die alles gleichzeitig anpassen. Kontrast hoch, Sättigung hoch, Farbsättigung hoch… und ehe man sich versieht, wirkt das Foto unnatürlich.
Darum arbeite ich fast immer Schritt für Schritt und Foto für Foto.
Tipp 1: Beginne mit dem richtigen Zuschnitt
Bevor ich irgendetwas an Farbe oder Licht mache, schaue ich zuerst auf die Komposition.
Ist der Horizont gerade?
Gibt es störende Ränder?
Kann die Komposition stärker werden?
Manchmal macht schon ein kleiner Zuschnitt einen großen Unterschied.
Bei Hochformatfotos nutze ich oft das Verhältnis 4x5 / 8x10. Diesen Zuschnitt finde ich schöner und so wird das Foto auch vollständig auf Social Media angezeigt.
💡 Tipp: Schau besonders genau auf die Ränder deines Fotos. Genau dort sitzen oft störende Elemente.
Tipp 2: Weißabgleich prüfen
Ein falscher Weißabgleich fällt schneller auf, als viele denken. Ist das Foto zu gelb? Zu blau? Oder vielleicht sogar etwas grünlich?
Die Pipette in Lightroom kann helfen, einen neutralen Punkt zu wählen.
Die Pipette für den Weißabgleich findest du rechts im Modul Entwickeln, ganz oben bei Temperatur und Tönung.
Klicke auf die Pipette und bewege danach die Maus über das Foto. Lightroom zeigt live, links oben in der Ecke, wie sich der Weißabgleich verändert. Klicke anschließend auf einen Bereich im Foto, der neutral weiß oder grau sein sollte, zum Beispiel ein weißes Shirt, eine graue Wand, Papier oder eine Wolke.
Lightroom versucht danach automatisch, die richtige Farbtemperatur und Tönung zu berechnen. Das ist oft eine schnelle Möglichkeit, ein Foto natürlicher wirken zu lassen, wenn es zu gelb, blau oder grün geworden ist.
💡 Tipp: Verwende die Pipette vor allem als Startpunkt. Prüfe danach immer selbst, ob die Stimmung des Fotos noch passt. Ein Sonnenuntergang darf warm bleiben und ein Abendfoto muss nicht komplett neutral sein.
Tipp 3: Erst die Belichtung richtig einstellen
Ich beginne fast immer mit der allgemeinen Belichtung.
Nicht sofort an zwanzig Reglern gleichzeitig ziehen.
Einfach zuerst schauen:
Ist das Foto zu dunkel?
Sind die Lichter ausgebrannt?
Ist genug Detail sichtbar?
Das Histogramm hilft dabei enorm.
Das Histogramm verstehen
Das Histogramm wirkt am Anfang vielleicht etwas kompliziert, ist aber eigentlich nur eine praktische Grafik, die zeigt, wie das Licht im Foto verteilt ist.
Links im Histogramm befinden sich die dunklen Bereiche des Fotos, also Schatten und Schwarztöne. Rechts befinden sich die hellen Bereiche und Lichter. In der Mitte liegen die Mitteltöne.
Ein Histogramm muss übrigens nicht immer perfekt in der Mitte liegen. Ein dunkles Abendfoto hat zum Beispiel mehr Informationen links, während ein helles Schneefoto eher nach rechts verschoben ist. Das ist völlig in Ordnung.
Worauf ich vor allem achte, ist Clipping. Das bedeutet, dass Teile des Fotos komplett schwarz oder komplett weiß werden und dadurch Details verloren gehen.
Zu weit links = Detailverlust in den Schatten
Zu weit rechts = ausgebrannte Lichter
Das Histogramm hilft deshalb sehr beim Beurteilen der Belichtung, oft sogar besser als nur nach Gefühl auf den Bildschirm zu schauen.
💡 Tipp: Nutze das Histogramm als Hilfsmittel, nicht als starre Regel. Am wichtigsten bleibt am Ende, wie dein Foto aussieht und welche Stimmung du erzeugen möchtest.
Tipp 4: Lichter und Schatten verwenden
Das sind für mich vielleicht die wichtigsten Regler in Lightroom.
Lichter nach unten für Himmel oder helle Bereiche
Schatten nach oben für Details in dunklen Bereichen
Wenn du Schatten extrem anhebst, entsteht schnell dieser übertriebene HDR-Look.
Tipp 5: Kontrast ruhig aufbauen
Kontrast gibt einem Foto Kraft, aber zu viel Kontrast macht ein Bild schnell hart.
Ich nutze oft eine Kombination aus:
Kontrast
Weiß
Schwarz
Der Schwarzpunkt bestimmt, wie tief die dunklen Bereiche werden. Der Weißpunkt bestimmt, wie hell die hellen Bereiche sein dürfen.
Wenn du damit ruhig arbeitest, bleiben Details und Stimmung erhalten.
Tipp 6: Farben natürlich halten
Das ist etwas, womit viele übertreiben.
Vor allem bei der Sättigung.
Persönlich verwende ich viel lieber Dynamik als Sättigung.
Dynamik arbeitet subtiler und schützt Hauttöne und Himmel besser.
💡 Tipp: Schau zwischendurch kurz vom Bildschirm weg und komm dann zurück. Dann siehst du schneller, wenn Farben zu stark geworden sind. Du kannst auch jederzeit mit der Taste Y das Original mit der bearbeiteten Version vergleichen.
Tipp 7: Masken verwenden
Masken sind in Lightroom Classic heute unglaublich leistungsstark.
Ich nutze oft:
Motiv oder Person auswählen
Himmel auswählen
Radialverlauf
Linearer Verlauf
Damit kannst du lokale kleine Anpassungen machen, ohne das ganze Foto zu beeinflussen.
Aber auch hier gilt: nicht übertreiben.
Tipp 8: Lass dein Motiv subtil wirken
Manchmal gebe ich einem Gesicht oder Motiv etwas mehr Aufmerksamkeit.
Etwas mehr Licht
Ein bisschen Textur
Subtile Klarheit
Besonders bei Porträts funktioniert das schön, wenn du es sehr ruhig hältst.
Tipp 9: Objektivkorrekturen und Transformieren
Eines der ersten Dinge, die ich beim Bearbeiten fast immer mache, ist das Aktivieren der Objektivkorrekturen. Diese Option findest du rechts im Modul Entwickeln unter Objektivkorrekturen.
Lightroom erkennt oft automatisch, welches Objektiv verwendet wurde, und korrigiert kleine Objektivfehler. Zum Beispiel:
Dunkle Ecken, also Vignettierung
Leichte Objektivverzeichnung
Tonnenförmige Verzerrung bei Weitwinkelobjektiven
Dadurch wirkt ein Foto oft direkt etwas sauberer und natürlicher.
Außerdem aktiviere ich fast immer:
„Chromatische Aberration entfernen”. Diese Funktion wird auch als „Farbabweichung entfernen” bezeichnet.
Chromatische Aberration klingt kompliziert, aber eigentlich sind es kleine violette, grüne oder blaue Ränder, die manchmal an kontrastreichen Stellen im Foto sichtbar werden. Zum Beispiel:
Äste vor hellem Himmel
Gebäude gegen Sonnenlicht
Metallkanten
Weiße Kleidung bei starkem Licht.
Lightroom kann diese störenden Ränder oft automatisch sauber entfernen.
Wenn du viele Gebäude oder Stadtfotos fotografierst, ist auch das Transformieren-Werkzeug sehr praktisch. Du findest es unter Transformieren.
Damit kannst du schiefe Linien korrigieren, die entstehen, wenn du nach oben oder unten fotografierst. Zum Beispiel:
Gebäude, die nach hinten zu kippen scheinen
Schiefe Wände
Verzeichnung bei Weitwinkelfotos.
Mit Optionen wie:
Auto
Vertikal
Voll
…kann Lightroom diese Linien automatisch gerader machen.
💡 Tipp: Übertreibe Transformieren nicht. Wenn du Linien extrem korrigierst, kann ein Foto unnatürlich wirken oder du verlierst durch den Zuschnitt zu viel Bild an den Rändern.
Tipp 10: Schärfen und Rauschreduzierung
Schärfen ist für mich meistens einer der letzten Schritte beim Bearbeiten. Fast jedes RAW-Foto kann ein wenig Schärfung gebrauchen, aber auch hier gilt: subtil funktioniert oft besser.
Zu viel Schärfung sorgt schnell für unnatürlich harte Kanten, Körnung oder einen „crispy“ Look. Besonders Haut, Himmel und weiche Hintergründe können schnell unnatürlich aussehen, wenn du zu weit gehst.
Die Einstellungen zum Schärfen findest du rechts im Modul Entwickeln unter Details.
Dort siehst du unter anderem:
Betrag
Radius
Details
Maskieren
Für eine ruhige Grundbearbeitung halte ich diese Einstellungen meistens recht subtil.
Eine sehr praktische Funktion ist der Maskieren-Regler. Während du ihn verschiebst, kannst du Alt unter Windows oder Option auf dem Mac gedrückt halten. Lightroom zeigt dann in Schwarzweiß, welche Teile des Fotos tatsächlich geschärft werden.
Weiße Bereiche werden geschärft
Schwarze Bereiche bleiben unberührt
Das ist sehr praktisch, weil du meistens nicht möchtest, dass Himmel, weiche Hintergründe, Haut oder Bokeh zusätzlich geschärft werden.
So kannst du die Schärfung vor allem auf wichtige Details richten, wie:
Augen
Haare
Federn
Gebäude
Texturen
Rauschreduzierung nutze ich vor allem bei Fotos, die mit höheren ISO-Werten aufgenommen wurden. Zum Beispiel:
Abendfotografie
Innenräume
Konzerte
Veranstaltungen
Wildlife bei wenig Licht
Zu viel Rauschreduzierung macht ein Foto schnell weich und „plastikartig“. Darum suche ich immer eine Balance zwischen weniger Rauschen und ausreichend Details.
💡 Tipp: Zoome beim Schärfen und bei der Rauschreduzierung immer auf 100 %. In kleiner Ansicht sieht ein Foto oft gut aus, während du bei voller Größe erst wirklich siehst, was Schärfung oder Rauschreduzierung macht.
Vorher und Nachher kontrollieren
Während der Bearbeitung drücke ich regelmäßig die Taste \ oder Y. Damit siehst du sofort den Unterschied zwischen vorher und nachher.
Das hilft sehr dabei, nicht zu weit mit der Bearbeitung zu gehen.
Ich versuche auch regelmäßig, kurz Abstand vom Bildschirm zu nehmen.
Geh kurz weg. Hol dir eine Tasse Kaffee ☕️.
Dann siehst du oft plötzlich, ob Farben zu hart geworden sind oder Hauttöne unnatürlich wirken.
Kontrolliere dein Foto auch einmal klein und groß.
Sehen Hauttöne noch natürlich aus?
Wirkt der Himmel noch echt?
Sind die Ränder sauber?
Speichern und Exportieren
Wenn du gewohnt bist, mit Photoshop zu arbeiten, fühlt sich Lightroom Classic am Anfang vielleicht etwas ungewohnt an. Du klickst hier nämlich nicht ständig auf „Speichern“ oder „Speichern unter“. Lightroom funktioniert komplett anders. Das Schöne daran ist, dass deine originale RAW-Datei immer intakt bleibt. Alle Bearbeitungen, die du machst, werden eigentlich nur als Anpassungen gespeichert, während die Originaldatei unverändert bleibt.
Alles, was du in Lightroom anpasst, wie Belichtung, Farben, Kontrast, Zuschnitte oder Masken, merkt sich Lightroom im Katalog. Das Programm verändert also nicht direkt deine originale RAW-Datei. Diese Datei bleibt immer sicher und unberührt gespeichert. Persönlich finde ich das eine der schönsten Eigenschaften von Lightroom Classic, weil du dadurch jederzeit zum Original zurückkehren kannst.
Erst wenn du exportierst, erstellt Lightroom tatsächlich eine neue Version deines Fotos. Diese Datei verwendest du dann zum Beispiel für Social Media, deine Website, Druck, Kunden, E-Mail oder dein Portfolio.
Exportieren für Social Media
Für Instagram, Facebook, Websites und Online-Nutzung exportiere ich fast immer als JPEG. Dieses Dateiformat ist leicht, schnell und wird fast überall unterstützt.
Mein Standard-Workflow
Foto auswählen
Zu Datei → Exportieren gehen
Exportort wählen
Optional einen klaren Dateinamen vergeben
Exporteinstellungen prüfen
Auf Exportieren klicken
Dateieinstellungen
Bei den Dateieinstellungen verwende ich meistens:
Dateiformat: JPEG
Qualität: 100
Farbraum: sRGB
Viele Fotografen denken, dass Adobe RGB oder eRGB automatisch besser ist, aber für Social Media oder Websites ist sRGB in der Praxis fast immer die sicherste Wahl.
Warum? Weil Browser, Smartphones, Tablets, Instagram, Facebook und Websites sRGB am zuverlässigsten anzeigen.
Wenn du Adobe RGB online verwendest, kann es passieren, dass Farben auf manchen Geräten blasser, flacher oder weniger gesättigt wirken.
Bildgröße
Für Social Media musst du meistens keine riesigen Dateien exportieren. Das macht den Upload nur schwerer und die Plattformen verkleinern das Foto am Ende sowieso wieder.
Ich verwende selbst oft:
2048 px lange Seite
oder 2500 px lange Seite
Das ist meistens ein guter Kompromiss zwischen Qualität, Dateigröße und Geschwindigkeit.
Wenn du maximale Qualität für ein Portfolio oder eine größere Darstellung auf einer Website behalten möchtest, kannst du natürlich größer exportieren.
💡 Tipp: Achte online nicht zu sehr auf ppi oder dpi. Für Social Media sind vor allem die tatsächlichen Pixelmaße wichtig.
Lightroom Classic muss zum Glück überhaupt nicht kompliziert sein. Am Anfang wirkt es vielleicht nach viel, aber sobald du einen festen Workflow aufbaust, merkst du, wie viel Ruhe und Überblick es eigentlich gibt. Für mich ist das vielleicht der größte Vorteil von Lightroom: Alles ist an einem Ort. Vom Importieren und Auswählen bis zum Bearbeiten und Exportieren.
Mein wichtigster Rat? Halte es einfach. Du musst nicht jeden Regler sofort perfekt verstehen. Beginne mit einer ruhigen Grundbearbeitung, lerne Schritt für Schritt, was Einstellungen bewirken, und versuche vor allem, deinen eigenen Stil zu entwickeln. Oft sind subtile Anpassungen am Ende viel stärker als extrem bearbeitete Fotos.
Und vergiss auch das Exportieren nicht. Eine schöne Bearbeitung kann online trotzdem ganz anders aussehen, wenn du falsche Exporteinstellungen verwendest. Genau deshalb gehört Exportieren genauso zu deinem Workflow wie Fotografieren und Bearbeiten selbst.
Ich hoffe, dieser Workflow hilft dir, mehr Struktur, Geschwindigkeit und vor allem mehr Freude aus Lightroom Classic zu holen. Und vielleicht noch wichtiger: dass du mehr Zeit übrig hast, einfach mit Fotografie beschäftigt zu sein.
Hast du selbst noch praktische Lightroom-Tipps oder kommst du irgendwo nicht weiter? Lass es mich gerne wissen 😄
10 extra Lightroom Classic Tipps, die mir täglich helfen
Arbeite mit einem festen Workflow. Versuche jedes Shooting auf die gleiche Weise zu importieren, auszuwählen, zu bearbeiten und zu exportieren. Das gibt Ruhe, Überblick und verhindert Fehler.
Verwende nicht zu viele Presets gleichzeitig. Ein Preset kann eine gute Basis sein, aber schau immer selbst noch auf Licht, Farben und Stimmung. Jedes Foto ist anders.
Lerne das Histogramm zu verstehen. Das Histogramm wirkt am Anfang kompliziert, hilft aber enorm beim Beurteilen von Belichtung und Details in Lichtern und Schatten.
Zoome beim Bearbeiten regelmäßig heraus. Bei 100 % Zoom sieht ein Foto manchmal perfekt aus, während das Gesamtbild zu hart oder unnatürlich wirkt. Schau dir dein Foto also auch regelmäßig bildschirmfüllend an.
Mach nicht jedes Foto extrem scharf. Besonders bei Porträts wirkt ein weicherer und natürlicherer Look oft viel schöner als übertriebene Schärfung. Erstelle Masken für bestimmte Bereiche im Foto und schärfe diese gezielt; das gibt oft einen schöneren Effekt.
Verwende Masken subtil. Lokale Anpassungen sind unglaublich kraftvoll, aber wenn du sie zu stark verwendest, sieht ein Foto schnell unecht aus.
Lösche schlechte Fotos schneller. Nicht alles muss aufgehoben werden. Eine starke Auswahl arbeitet sich am Ende viel angenehmer als tausende fast identische Bilder.
Kalibriere deinen Bildschirm, wenn du ernsthaft bearbeiten möchtest. Ein falsch eingestellter Bildschirm kann dafür sorgen, dass Farben und Helligkeit auf anderen Geräten oder im Druck völlig anders wirken.
Erstelle Export-Presets für wiederkehrende Aufgaben. Das spart enorm viel Zeit, wenn du oft für Instagram, Websites, Kunden oder Druck exportierst.
Bleib vor allem beim Fotografieren. Es ist leicht, stundenlang mit Reglern und Einstellungen beschäftigt zu sein, aber am meisten lernst du Fotografie immer noch, indem du einfach viel fotografierst.
Praktische Tastenkürzel in Lightroom Classic
Wenn du häufiger mit Lightroom Classic arbeitest, können Tastenkürzel enorm viel Zeit sparen. Du musst weniger durch Menüs suchen und kannst deutlich flüssiger durch deine Fotos arbeiten. Besonders beim Auswählen, Vergleichen und Bearbeiten nutze ich selbst regelmäßig Shortcuts.
Auswählen und Bewerten
P = Foto markieren
X = Foto ablehnen
U = Markierung entfernen
1 bis 5 = Sternebewertung vergeben
0 = Sternebewertung entfernen
6 bis 9 = Farblabel hinzufügen
Anzeigen und Vergleichen
G = Rasteransicht
E = Lupenansicht
C = Vergleichsansicht
N = Übersichtsansicht
F = Vollbildmodus
L = Hintergrund abdunkeln
Bearbeiten
D = zum Entwickeln-Modul wechseln
R = Zuschneiden / Crop-Werkzeug
Q = Bereichsreparatur / Flecken entfernen
M = Linearer Verlauf
Shift + M = Radialer Verlauf
K = Korrekturpinsel
Vorher und Nachher anzeigen
\ = Vorher / Nachher anzeigen
Y = Vorher und Nachher nebeneinander anzeigen
Nützliche Workflow-Tastenkürzel
Tab = Seitenleisten ein- oder ausblenden
Shift + Tab = alle Bedienfelder ein- oder ausblenden
Cmd + Z = Rückgängig auf Mac
Ctrl + Z = Rückgängig unter Windows
Cmd + Shift + E = Exportieren auf Mac
Ctrl + Shift + E = Exportieren unter Windows
💡 Tipp: Versuche nicht, alle Tastenkürzel sofort auswendig zu lernen. Starte zum Beispiel mit P, X, D, R und \. Schon damit arbeitest du deutlich schneller.
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